Übersetzung, Entfaltung, Gangbandbreite und Gangsprünge
Von Jorge Corsi · Fachlich geprüft am 31. August 2026
Vier Begriffe beschreiben jeden Fahrradantrieb vollständig: Übersetzung, Entfaltung, Gangbandbreite und Gangsprung. Wer sie auseinanderhält, kann Antriebe vergleichen, ohne auf Marketingbegriffe angewiesen zu sein.
Übersetzung
Die Übersetzung ist das Verhältnis der Zähnezahlen: Kettenblatt geteilt durch Ritzel. 50 Zähne vorn und 11 hinten ergeben 4,545. Die Zahl ist dimensionslos und sagt für sich genommen nichts über die Geschwindigkeit aus, weil die Laufradgröße fehlt.
Entfaltung
Die Entfaltung übersetzt das Verhältnis in Meter: Laufradumfang in Metern mal Übersetzung. Bei 2100 mm Abrollumfang sind das 2,1 × 4,545 = 9,545 m pro Kurbelumdrehung. Erst diese Zahl ist zwischen 26-, 27,5- und 28-Zoll-Rädern vergleichbar.
Geschwindigkeit
Geschwindigkeit in km/h = Entfaltung × Trittfrequenz × 0,06. Bei 90 U/min entspricht die obige Entfaltung 51,55 km/h.
Bandbreite und Sprünge
Die Bandbreite ist das Verhältnis von größter zu kleinster Übersetzung in Prozent. Eine 10–51-Kassette an einem Kettenblatt liefert 510 %. Der Gangsprung beschreibt den prozentualen Abstand zweier benachbarter Gänge; 16T auf 14T entspricht 14,3 %.
Zielkonflikt
Mehr Bandbreite bei gleicher Ritzelzahl bedeutet zwingend größere Sprünge. Zwei Kettenblätter erhöhen die Zahl der Gänge, erzeugen aber Überlappungen: Manche Kombinationen liefern praktisch identische Übersetzungen.
Welche Kennzahl beantwortet welche Frage?
- Leichter klettern: die kleinste Entfaltung vergleichen. Je kleiner der Wert, desto weniger Weg legt das Rad pro Kurbelumdrehung zurück.
- Schneller fahren: die größte Entfaltung zusammen mit einer realistischen Trittfrequenz betrachten.
- Weniger Schaltarbeit: die Gangsprünge in dem Bereich prüfen, in dem man am häufigsten fährt.
- Viele Einsatzbereiche: die Bandbreite bewerten, ohne dabei die Größe der Sprünge zu vergessen.
Ein Antriebsvergleich in der Praxis
Für einen fairen Vergleich trägt man bei beiden Antrieben denselben gemessenen Laufradumfang ein. Dann vergleicht man zuerst den leichtesten und den schwersten Gang. Danach betrachtet man die Sprünge zwischen den Ritzeln. Bei Zweifachantrieben sollte man identische oder nahezu identische Übersetzungen nur einmal zählen. Die Zahl der Schalthebelpositionen ist nicht automatisch die Zahl sinnvoll unterschiedlicher Gänge.
Beispiel für den Berggang: 34 Zähne vorn und 34 hinten ergeben eine Übersetzung von 1,0. Mit 2,10 m Laufradumfang beträgt die Entfaltung 2,10 m. Ein Antrieb mit 32 vorn und 36 hinten kommt auf 0,889 beziehungsweise 1,87 m. Der zweite Gang ist rund elf Prozent leichter, auch wenn beide Räder mit derselben nominellen Laufradgröße beworben werden.
Häufige Vergleichsfehler
- Nur die Kassette vergleichen und die Kettenblattgröße übersehen.
- Mit „28 Zoll“ statt mit einem realistischen oder gemessenen Abrollumfang rechnen.
- Eine besonders große Bandbreite automatisch mit feineren Abstufungen gleichsetzen.
- Geschwindigkeiten mit einer Trittfrequenz berechnen, die man in der Praxis nicht dauerhaft fährt.
Für eine Kauf- oder Umbauentscheidung ist deshalb nicht ein einzelner Prozentwert entscheidend. Sinnvoll ist die Kombination aus ausreichend leichtem Berggang, passendem Schnellgang und akzeptablen Sprüngen im eigenen Wohlfühlbereich.
- Ritzelrechner – vollständige Gangtabelle mit Diagramm
- Gangbandbreite und Gangsprünge
- Entfaltung und Geschwindigkeit
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